Bericht von Ingrid und Wolfgang Lutz im Mai 2025
Liebe Freundinnen, liebe Freunde von UBUNTU,
als wir gegen Ende April unsere vierwöchige Reise nach Kasuna/Kenya angetreten haben, war unsere Gefühlslage ziemlich ambivalent: auf der einen Seite freuten wir uns, endlich wieder alle unsere afrikanischen Freunde in Kasuna wiederzusehen – unsere 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres UBUNTU-Teams, die ca. 50 Kinder unseres Kinderheims, die Kinder unserer Schule mit den 3 Grundschulklassen und den 7 Lehrern, unseren neuen Kindergarten mit den ca. 100 Kindern.
Auf der anderen Seite war unsere Stimmung sehr gedrückt: wir überquerten oder streiften bei unserem Flug 9 Kriegsgebiete oder Länder, die unter bürgerkriegsähnlichen Zuständen litten. Die Bilder von Gaza, der Ukraine, dem Bürgerkrieg und der Hungersnot im Sudan, dem Jemen, Tigray in Äthiopien, um nur die wichtigsten zu nennen, die sehr labilen politischen Zustände in Somalia,
Iran, Afghanistan, Syrien, Irak, Eritrea waren sehr präsent und machten uns deutlich – die Erde brennt an allen Ecken und Enden. Hinzu kamen die aufgeheizten Diskussionen auch bei uns in Deutschland über Migration und Asyl. Die Tendenz geht hier eindeutig in Richtung Abschottung, Abschiebung, Verweigerung, Nationalismus, Remigration (AFD), Abschaffung des Individualrechts auf Asyl und Aussetzung des Familiennachzugs bei schutzbedürftigen Jugendlichen aus Kriegsgebieten – hier sind besonders die CDU/CSU – Politiker Frei und Dobrindt aktiv. Dies wird sowohl von den Kirchen als auch den meisten NGOs als gesetzes- und menschenrechtswidrig deklariert.
Weltweit steht im Augenblick die Demokratie mit dem Rücken zur Wand, während diverse Autokraten dabei sind, die Demokratie und die Rechtsstaatlichkeit zu verhöhnen und abzuschaffen (siehe Anne Appelbaum, „Die Achse der Autokraten“). Die Folgen des Klimawandels und der Versuch auch in Deutschland das Rad wieder zurückzudrehen (Verbrenner, Heizungsgesetz etc.), den von Ursula von der Leyen propagierten „New Green Deal“ auf Kosten der Länder in der sogenannten „Dritten Welt“ zu pulverisieren – das machte uns schon lange zu schaffen.
Und wir fragten uns: Sind wir als eine Handvoll Mitglieder eines kleinen Vereins eigentlich nicht verrückt, anzukämpfen gegen derartige Brüche in Sachen Menschenrechte, Humanismus, Aufklärung, Bewahrung der Schöpfung, Gewährung von Schutz für Menschen in Not? Wir fragten uns, ist der Homo sapiens nun endgültig mutiert zum Homo rapiens?
Um es vorwegzunehmen, wir wußten sofort, als wir in Kasuna ankamen und unser „Großfamilie“ erlebten, das kann nicht falsch sein! Mit welcher Hingabe unsere Frauen die 50 Kinder – darunter 11 Kinder jünger als 3 Jahre – betreuten, alle Kinder entweder Waisen, Halbwaisen oder vernachlässigt („neglected Children“) aus prekären häuslichen Verhältnissen. Vom ersten Tag an war uns klar, dieses unser Projekt ist es wert am Leben zu bleiben, jeder Euro, den wir dort investieren, ist sinnvoll angelegt. UBUNTU in Kasuna ist ein Kontrapunkt zu Krieg, Vertreibung, Zurückweisung, Abschottung, Egoismus, Trennung von Familien! Und damit kommen wir schon zu unserem Resumee aus diesen 4 Wochen in Kasuna:
- An unserer „Großfamilie“ in Kasuna konnten wir hautnah erleben, wie wichtig die Familie als solche für Kinder ist. Das heißt definitiv: Kinder haben ein Recht auf Familie. Sie brauchen eine oder auch mehrere Bezugspersonen, zuständig für körperliche Nähe, ja Liebe, Zuneigung, Geborgenheit.
- Kinder finden Geborgenheit auch im Zusammensein mit anderen Kindern – beim Spielen, beim Singen, gemeinsamem Essen, auch wenn 3-4 Kinder in einem Bett unter einem Mosquitonetz schlafen. Hier finden sie die nötige „Nestwärme“.
- Menschen mit großen Sorgen um das tägliche Brot, die Erziehung der Kinder, Armut schlechthin gesunden in der Gemeinschaft, wenn sie Verantwortung übernehmen dürfen und ihre Sorgen mit anderen teilen können. Eine familiäre Gemeinschaft wie in Kasuna beflügelt, sozialisiert Kinder und Erwachsene. Wichtig ist natürlich Arbeit, materielle Hilfe mit ausreichendem Essen, ein Dach über dem Kopf, ein Bett und Mosquitonetz, Hilfe bei Krankheit. Diese Sicherheit gibt den Menschen Kraft und Mut und spornt an mitzuarbeiten in der Gemeinschaft beim Kochen, Wäsche waschen, bei der Kinderpflege usw. Unsere Frauengruppe ist ein Anker für Alleinerziehende, aus der Not heraus depressive Mütter, Kranke Frauen ohne Versicherung oder Hilfe vom Staat, ohne Hilfe durch einen Partner.
- Unsere männlichen Mitarbeiter, die seit Jahren ein Teil von UBUNTU sind, können ihre Familien ernähren, ihre Kinder in die Schule schicken, haben ein sicheres, bescheidenes Einkommen, um die Familie über Wasser halten zu können. In Not wird immer geholfen.
- Die Kinder von Kasuna lernen von klein auf: “Jeder ist für den anderen in gleichem Maße verantwortlich“. Schreit ein Kleinkind, dann ist sofort ein größeres Kind zur Seite, um zu helfen. Gibt es Probleme mit der Schule und den Hausaufgaben, helfen unsere Lehrer, Tutoren und alle Erwachsenen.
- Die Kinder in Kasuna in der 1., 2., 3. Klasse lernen auf unserer kleinen Farm den Anbau von Gemüse, das Pflanzen von Bäumen, die Heilwirkung von Pflanzen, die Zubereitung von Gemüse und Salat für den eigenen Gebrauch.
- Gesang, Tanz, Malen und Zeichnen gehört in Kasuna zum Alltag. Bei einem lokalen Wettbewerb in Ahero, vom Schulministerium organisiert, konnten unsere Kinder den 1. Preis erzielen durch die Aufführung eines „Indischen Tanzes“ (Video aufrufen), 2. und 3. Preise wurden erreicht in einer „Poetry Competition“ (Gedichtvortrag). Alle sind in den überregionalen Wettbewerb weitergekommen.
Liebe Freunde von UBUNTU, der Mensch ist vor allem ein „Animal sociale“-
ein soziales Wesen, das sollten wir alle nie vergessen. Unsere Mitarbeiter in Kasuna versuchen dies auch zu leben und wir vom Verein UBUNTU unterstützen sie dabei, was aber nur gelingen kann mit Ihrer/Eurer Hilfe.
Wir haben in all den Jahren so viel Unterstützung erfahren von den Fördermitgliedern, daß man nur staunen kann. Dafür bedanken wir uns mit unseren Freundinnen und Freunden in Kasuna von ganzem Herzen.
Mit diesem Bewußtsein konnten wir Ende Mai zuversichtlich und hoffnungsvoll zurückkehren in unsere augenblicklich so zerstörerische, feindliche Welt.
Wie sagte der Filmemacher Benny Safdie bei den Filmfestspielen in Venedig: „Empathie ist heute wichtiger denn je. Ich denke, das ist etwas, worum wir uns alle bemühen sollten.“ Nehmen wir uns diese Worte zu Herzen und agieren wir weiter in diesem Sinne und damit im Sinne von UBUNTU.
Impressionen von unserem Projekt in Kasuna Kenia im Mai 2025
- die Kinder als Gemeinschaft beim Spielen (Lego, Puzzle etc.)
- die Frauen unserer Frauengruppe und die älteren Kinder sind Garant dafür, dass die kleinen Kinder sich wohlfühlen wie in einer intakten Familie
- unsere Schule und der Kindergarten sind eine Oase für die vielen Kinder aus prekären Verhältnissen.
- Kinder mit neuen Bags, von Tatonka Germany gestiftet, und neuen Schulbüchern, Taschenrechnern, Dictionaries etc
- Bau einer neuen Maismühle
- Die ca. 100 Kinder im Kindergarten bekommen am Vormittag Porige.
- unser kleiner Lebensmittelladen mit Hilda am Tresen. Die Produktmengen sind klein, weil das Geld meistens fehlt