Ein humanitäres Band zwischen Friedberg und Ost-Afrika
Als vor gut 15 Jahren eine Gruppe aus Friedberg zum ersten mal Kasuna besuchte, einen kleinen kenianischen Ort in der Nähe des Viktoriasees, waren alle zutiefst betroffen von der Lebenswirklichkeit der dortigen Bevölkerung. Die kleinräumige Landwirtschaft reichte oft nicht zur Selbstversorgung. Familien brachen unter dem wirtschaftlichen Druck auseinander, Frauen standen dadurch häufig mit einer meist sehr großen Schar von Kindern alleine da, Senioren vegetierten in bitterer Not. Armut und Krankheit stellten dort immer wieder Menschen vor fast unlösbare Probleme. Ein hoffnungsvoller Blick in die Zukunft schien unmöglich. Die damals ca. 350 Kinder der Primaryschool - die Schule war ganztägig- hatten kein Essen, zum Trinken gab es Regenwasser.
Wie Deutschland nach dem Krieg an der Hand speziell Amerikas Hilfe bekommen hatte, reifte auch bei der Gruppe aus Friedberg der Gedanke zu „Hilfe, die hilft, daß Hilfe überflüssig wird“ (Sankara, ehem. Präsident von Burkina Faso).
Und so entstand UBUNTU. Der Name entspringt der Bantusprache, heißt übersetzt ungefähr: „Mir geht es nur gut, wenn es meinem Nachbarn auch gut geht“. Dieser Gedanke fand sehr schnell Anklang bei unterschiedlichsten Unterstützern. So konnte UBUNTU über Friedberger Grenzen hinaus wachsen und auf einer soliden finanziellen Basis Hilfe leisten.
Und heute?
Die klimatischen Bedingungen haben sich rapid verändert. Die einst klare Trennung zwischen kleiner und großer Regenzeit und Trockenzeit ist durchlässig. Heftigste Regengüsse , für uns unvorstellbar, stellen beinahe jährlich Land und Menschen vor riesige Herausforderungen. Der Wasserspiegel des Viktoriasees ist seit 2019 immer wieder über die Ufer getreten, Felder tauchten ab, Hütten brachen zusammen. Hilfe ist nötiger denn je. Sie reicht von der Unterstützung beim Bau einer neuen Hütte bis zur so wichtigen Schulspeisung. So bekommen derzeit die Kinder von 2 Schulen und 3 Kindergärten täglich eine warme Mahlzeit. Die Zahl der Schüler steigt ständig, denn die Schulspeisung hat höchste Anziehung, werden dadurch die Familien doch wirkungsvoll entlastet. Auch alleinstehende, hilfsbedürftige Senioren des Ortes werden mit Essen versorgt. Täglich werden über 1200 Mahlzeiten ausgegeben.
Traurig ist es, daß immer mehr Kinder aus prekären Verhältnissen bei UBUNTU Zuflucht suchen müssen. Es sind Waisen, Halbwaisen oder „vergessene“ Kinder. Der wirtschaftliche Druck - neben der Klimaveränderung existiert eine exorbitante Inflation und politische Unsicherheit- läßt Familien auseinanderbrechen. So leben derzeit an die 60 Kinder aller Altersstufen bei UBUNTU. Da heißt es für Schulausbildung und Weiterbildung zu sorgen und ganz praktisch, den Alltag dieser Kinder zu organisieren und sie vor allem in unserer „Großfamilie“ aufzufangen.
Für diese Organisation kann sich UBUNTU auf ein bewährtes Team aus Kasuna verlassen. 30 Frauen und Männer, sie waren selbst ohne Arbeit und Perspektive, gehören nun zum festen Stab der Hilfsorganisation. Sie erhalten für ihre Leistung eine für alle gleich hohe finanzielle Unterstützung, denn Prinzip von UBUNTU ist, dass derjenige unterstützt wird, der, wenn es ihm möglich ist, eine Leistung für die Gemeinschaft erbringt.
Wie viele Facetten die Hilfe aus Friedberg im Lauf der Zeit bekommen hat, wird am 21.11.2025 im Rahmen eines Vortrags im „DIVANO“, Pfarrstr. 1 in Friedberg um 19 Uhr gezeigt. Gleichzeitig freut sich UBUNTU über 15 Jahre Gemeinschaft zwischen Ost-Afrika und Friedberg und möchte auch in Zukunft einen Kontrapunkt setzen zu Armut, Kriegen, Flucht und Vertreibung.
Vortrag: 21.11.2025 im „DIVANO“, Friedberg, Pfarrstrasse1
Beginn: 19:00 Uhr
Referent: Dr. Tobias Lutz